Buchbesprechung: Cukrowitz Nachbaur - Die Qualität des Einfachen

Mit dem vorarlberg museum sorgten Cuckrowicz Nachbaur Architekten international für Aufmerksamkeit, im Frühjahr gewannen sie den 1. Preis zur Neugestaltung des Philologicum in Münchnen. Nun erschien ein Buch über das Bregenzer Architekturbüros, das die Vorarlberger Bautradition fortführt.

 

Im Frühjahr 2014 gewann die Bregenzer Cukrowicz Nachbaur Architekten den Wettbewerb zur Neugestaltung der Bibliothek Philologicum  München in der von Friedrich von Gärtner 1833 bis 1835 errichteten Gebäude der Ludwigs Maximilian Universität.

Der erste Wettbewerbssieg in München der Vorarlberger sorgte aufgrund der klaren Lösung für Aufmerksamkeit. Der Entwurf wird nicht nur den neuen funktionalen Anforderungen an Bibliotheken besonders gerecht, sondern würdigt zugleich die Historizität des Gärtner-Gebäudes. Für den Bau einer neuen Bibliothek für die Sprach- und Literaturwissenschaften hatte sich die LMU deshalb schon seit vielen Jahren eingesetzt; 2013 gab dann Ministerpräsident Horst Seehofer den Startschuss für das Philologicum. Ab Herbst 2015 soll mit dem Bau der Bibliothek, die rund 700 Arbeitsplätze und 420.000 Medien beherbergen wird, begonnen werden. Die Architekten wollen die ursprüngliche Geschosshöhe von fünfeinhalb Metern wieder herstellen, indem im mittleren Gebäudeteil Galeriegeschosse eingezogen werden, die die hohen Räume zweifach nutzbar machen. „ Die übergeordnete Konzeptidee basiert auf dem Prinzip des Schließens einer offenen Gebäudeschale und deren strukturiertem Befüllen. Durch die leichte Auskragung der Lamellenstruktur entsteht ein abstraktes Bild eines Bücherregales mit einem subtilen Verweis auf die dahinterstehende Nutzung. Die Art der Fassadenausbildung, die Gliederung der Ebenen verbunden mit der großen Raumhöhe ermöglicht die maximale Tageslicht-Belichtung bis in die zentralen Bereiche. Sämtliche Maßnahmen homogenisieren das Gesamterscheinungsbild und verbinden alle Teile zu einem neuen Ganzen.“

Das 1996 gegründete Vorarlberger Architekturbüro von Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur wurde international vor allem durch die 2013 fertig gestellte Adaptierung und den Neubau des "vorarlberg museums" in Bregenz (Bild links) bekannt, das sich sowohl durch seine städtebauliche und räumliche Stringenz auszeichnet wie durch die zeichenhafte Fassade, die sie gemeinsam mit dem Künstler Manfred Alois Mayr und dem Geometrie-Ingenieur Urs Beat Roth realisierten. „ Das Konzept basiert auf dem Prinzip des Weiterbauens. Der denkmalgeschützte Gebäudebestand der Bezirkshauptmannschaft wird nahezu vollständig erhalten und in die Gesamtlösung integriert. Das bestehende Gebäude wird mit zwei Geschossen vertikal erweitert, direkt anschließend wird Richtung Kornmarktplatz ein fünfgeschossiger Neubau entwickelt. Gebäudebestand, Aufstockung und Neubau bilden mit einer klaren und kompakten Gebäudefigur eine neue Großform. Durch das Freihalten der bestehenden spitzen Südecke des Landesmuseums und das Knicken der Südwestfassade im Übergang zwischen Alt und Neu generiert sich eine neue städtebauliche Situation “

Das Buch bietet einen Einblick in das umfangreiche Werk von Cukrowicz Nachbaur und stellt ihre Arbeitsweise vor. Acht Projekte werden durch Pläne und Texte der Architekten sowie mit Bildern von Adolf Bereuter vorgestellt, der alle Bauten neu fotografierte.

Faszinierend sind dabei alltägliche Arbeiten von Wohnhäusern oder Schulen. So wirkt die kleine Bergkapelle Alpe Vordere Niedere (Aufmacherbild oben, Bild links) bei Andelsbuch durch ihre eindringliche Einfachheit. Wer die Kapelle betritt, verlässt den festen Grund und steigt in den hölzernen Körper. Der Raum ist in sich abgeschlossen und bietet Ruhe.

Zahlreiche Autoren, darunter Otto Kapfinger, Florian Aicher, Manfred Alois Mayr, Urs Beat Rot sowie den Architekturbürogründer liefern Texte. Ergänzt wird die Monografie durch ein Werkverzeichnis, in dem über 100 Projekte ausführlich dokumentiert sind.

 

Cukrowicz Nachbaur Architekten

1992- 2014, Texte von Otto Kapfinger, Florian Medicus, Wolfgang Hermann, Florian Aicher, Manfred Alois Mayr, Urs Beat Roth, Florian Pumhösl, Rainer Köberl und Wolfgang Mörth. Konzept von Arno Ritter, Jonas Voegeli, Andreas Cukrowicz, Anton Nachbaur-Sturm; Fotografien von Adolf Bereuter und Hanspeter Schiess; 544 Seiten, Park Book, 58,00 Euro

 

Werke (Auswahl)

1999 Wohnhaus H in Fraxern, Österreich

2002 Rotkreuz Zentrale, Feldkirch, Österreich

2003 Volksschule Doren, Österreich

2004 Ringsportzentrum West, Götzis, Österreich

2004 Wohnhaus N, Hittisau (Bild links), Österreich

2005 Stadtbad Dornbirn, Österreich

2007 Wohnbebauung am Pfänderhang, Lochau, Österreich

2008 Bergkapelle Alpe Vordere Niedere, Andelsbuch, Österreich

2008 Gemeindezentrum St. Gerold, Österreich

2010 Sporthalle Meckenbeuren, Deutschland

2011 Messe Innsbruck, Österreich

2013 Wohnhaus G-H, Eschen, Fürstentum Liechtenstein

2013 Vorarlberg Museum, Bregenz, Österreich

2014 Europe Headquarter DMG Mori, Winterthur, Schweiz

2014 Freibad Neuhausen Am Rheinfall, Schweiz

2015 Bibliothek Philologicum, München, Deutschland

2015 Sülchenkirche Rottenburg, Deutschland

 

Bilder: Bergkapelle Andelsbuch, © Adolf Bereuter für Cukrowicz Nachbaur Architekten; vorarlberg museum Bregenz Wohnhaus N Hittisau © Hanspeter Schiess für Cukrowicz Nachbaur Architekten