Die Stadtgestalter

 

Guter Wohnungsbau fängt bereits in der Stadtplanung an. Beides wird in der Regel durch verschiedene Architekturbüros arbeitsteilig durchgeführt. Ein Münchner Büro versucht konsequent Stadtplanung mit den Details zum Wohnen zu verbinden: die 03 Architekten.

 

Das Münchner Architekturbüro sind vor allem die Partner AndreasGarkisch (*1967), Karin Schmid (*1969) und Michael Wimmer (*1969). Garkisch und Wimmer gründeten das Büro 1994 unter den Namen 02 München, nahmen vier Jahre später Karin Schmid in die zu 03 München umbenannte Architektengemeinschaft auf, dass sich seit 2009  „03 Architekten“ nennt.

Das Büro hat insgesamt 25 Mitarbeiter. Ihre Vorgehensweise beschreiben die Architekten: „Unser Büro ist eine Werkstatt, ein Labor, in dem wir uns mit Modellen, Bildern, Zeichnungen und Materialien Schritt für Schritt einer Lösung nähern. Es ist dabei nicht die Handschrift eines Einzelnen, sondern es sind die gemeinsame Suche und Diskussion, die zum Entwurf führen. Mit diesem Potential versuchen wir uns offen und frei von vorgefassten Meinungen oder formalen Festlegungen an die Entwurfsaufgabe heranzuarbeiten.“ (03 Architekten, Büroprofil)

Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt im Bereich Wohnen. Neben vereinzelten Familienhäuser (Bild links) und Sanierungen (Bild rechts) am Anfangsphase, werden in den vergangenen Jahren zunehmend mehrgeschossige Wohnanlagen geplant. Dazu gehören Geschosswohnungen am Ackermannbogen, der Nordheide, Riem und am Hirschgarten. Die Bandbreite umfasst den geförderten Wohnungsbau bis zu Luxuswohnungen am Taxisgarten.

Damit verbunden ist der andere Schwerpunkt des Architekturbüros, der Stadtplanung. So entwarfen sie im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs den Rahmenplan „Rund um den Ostbahnhof“ (2002, 2005), gewannen den 1. Preis Städtebau und 1. Preis Wohnungsbau für die nicht realisierte Werkbundsiedlung Wiesenfeld sowie den 1. Preis für das Stadtquartier Leopoldstraße (2007), auf deren Grundlage der Rahmen- und B-Plan entwickelt wurde (2009-2010). „Eine Antwort auf die Frage nach der Motivation für unser Handeln und Schaffen liegt in der Faszination für das Phänomen Stadt. Es ist die Vielschichtigkeit der Stadt, die uns interessiert, so reicht unser Spektrum vom einfachen Stuhl bis zur Stadtplanung.“ (03 Architekten, Büroprofil)

 

Wohnanlage an der Nordheide, Schneeheideanger 6 +8 (2000-2006)

In dem Neubaugebiet Nordheide in der ehemaligen Panzerwiese im Norden Münchens entwarfen 03 Architekten einen Teil der Wohnbebauung am Schneeheideanger. Ziel war eine Verzahnung von der Naturlandschaft Heide und Stadt. „Durch gegeneinander verschobene Höfe ergeben sich trotz der großen Baukörpertiefen Häuser und Wohnungen, die beidseitig orientiert sind. Jeder Bewohner wohnt in der Stadt und an der Heide.

 Die Bebauungsstruktur ermöglicht den Besitz eines „eigenen Hauses“, das in der Stadt am Stadthof und über den Heidehof an der Heide gelegen ist. Das durchgesteckte Wohnen kann von Osten nach Westen dem Tagesverlauf folgen. Morgens im Heidehof frühstücken und abends am Anger im Garten sitzen und umgekehrt.

 

 

 

Da man vom Wohnraum und der Küche aus einen guten Überblick auch zu den Spielflächen hat, eignen sich die Grundrisse gut für Familien oder andere Haushaltsformen mit Kindern.

 Der daraus resultierende Wohnwert leistet seinen Beitrag zur Identifikation der Mieter mit „ihrem Haus“ und ist so ein Garant für langfristige Mietverhältnisse und geringen Vandalismus..“    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wohnen am Olympiapark  (2001-2006)

Der Abschluss im Norden des Wohnquartiers am Olympiapark bildet gegenüber dem Ackermannbogen ein sechsgeschossiger Gebäuderiegel des geförderten Wohnungsbaus. Dem schließen sich nach Süden zweistöckige Terrassenhäuser sowie eine Kindertagesstätte an. Die Besonderheit der Anlage liegt in der großen Anzahl verschiedener Haushalzsformen unter einem Dach. Jede Wohnung hat dabei ein Blick ins Grüne zum Olympiapark.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wohnen am Taxisgarten (2007-2010)

Das Quartier am Taxisgarten liegt an der Schnittstelle zwischen der innerstädtischen Struktur Neuhausens mit geschlossenen Straßenräumen, Plätzen und Höfen und dem von offener Bebauung und Gärten geprägten Stadtviertel Gern. Als Teil des Münchner Stadterweiterungsprogramms unter Theodor Fischer wurde Ende des 19. Jahrhunderts südlich des Taxisgarten das Ensemble um den Dom-Pedro-Platz als Stadtteilzentrum errichtet. Angestoßen wurde die notwendige Sanierung des Spitals, das heute ein Alten- und Pflegeheim ist, 2006 von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG. Mit dem Ziel eines „integrativen“ Quartiers mit Eigentumswohnungen für unterschiedliche Haushaltsgrößen, Generationen, Lebensentwürfe und Gesellschaftsschichten initiierte die GEWOFAG ein aus mehreren Bauabschnitten bestehendes Projekt, das das bestehende Ensemble weiterbaut und nach Osten und Norden abschließt. 



 

Nach einem Wettbewerbserfolg realisierten 03 Architekten auf der Grundlage eines Bebauungsplans des Münchner Büros Fink + Jocher drei freistehende Gebäude mit insgesamt 54 Eigentumswohnungen zwischen 110 und 230 Quadratmetern Wohnfläche.
Vom Dom-Pedro-Platz kommend blickt man am Straßenende auf die Stirnfassade des westlichen Baukörpers, die den kleinen, mit alten Bäumen gesäumten Platz vor dem Heilig-Geist-Spital nach Norden räumlich abschließt. Raumhohe Aluminiumfenster, silbergrau beschichtete Lochblechtafeln, weiße Bänder aus Glattblech und Glasbrüstungen geben dem Gebäude ein technisches, präzise gefügtes Erscheinungsbild. Die weißen Bänder zeichnen den verspringenden Verlauf der Geschossdecken nach. Raumhohe Fensterbänder, die Lochblechtafeln und französische Fenster verweisen auf unterschiedliche Raumhöhen und verschiedene „Öffentlichkeitsgrade“ der Innenräume. In den Fenstern, die teilweise gerundet sind, fallen die Spiegelungen und Verzerrungen der Bäume auf. In der Überlagerung mit den Blättern und Zweigen nimmt das Bild der Fassade die sich im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten und der Wetterverhältnisse ändernde Stimmung des Orts auf.

 

Auf der Längsseite wandelt sich das Erscheinungsbild: Die raumhohen Fensterbänder weichen zurück und die Fassade wird räumlich. Durch das Zurücksetzen der Verglasung entstehen Einschnitte in den Gebäudekörper und bilden sich Loggien für die Wohnungen. Da keine Stützen erkennbar sind, scheinen die vorspringenden Geschosse zu schweben. 

Wie bei großbürgerlichen Stadthäusern sind die Erdgeschosswohnungen durch einen Sockel vom Straßenniveau abgehoben. Die 4,5 Meter hohe Hauseingänge bilden repräsentative Entrees. Die Treppen werden über ein Oberlicht mit Tageslicht versorgt.

Die Wohnungen betritt man im Halbdunkel der Gebäudemitte. Der Blick wird in die Diagonale gelenkt, durch den Wohnbereich und die raumhohe und -breite Glasfassade in das Grün der Umgebung.

Über drei Stufen geht es hinab in den Wohnraum, der durch seine Raumhöhe von drei Metern an die Großzügigkeit von Repräsentationsräumen in Altbauwohnungen erinnert. Wohn-, Ess- und Kochbereich bilden einen offenen zusammenhängen- den Raum, der über die vor- und zurückspringende Fassade eng mit den in der gesamten Raumbreite vorgelagerten Loggien und dem Außenraum verzahnt ist.
Am Ende des Wohnraums gelangt man in die Küche und über drei Stufen in den niedrigeren, 2,5 Meter  hohen Teil der Wohnung. In diesem Bereich konnten die Käufer die Individualräume und Bäder frei, entsprechend ihren spezifischen Bedürfnissen und Wünschen, bestimmen.

Durch die Verwendung vorgespannter Stahlbetondecken wurde auf tragende Wände innerhalb der Wohnung vollständig verzichtet. Ein eingestellter Kern mit vom Käufer bestimmter Größe und Form nimmt die Bäder und Abstellräume auf und ermöglicht einen Rundgang um den Kern zurück zum Wohnungseingang.



Wie bei der Fassade sind auch im Innern der Wohnungen die einzelnen Bauelemente klar ablesbar. Nichttragende Gipskartonwände sind von den Decken mit Schattenfugen abgesetzt. Auf Sockelleisten wurde verzichtet. Die Türen sind als raumhohe Elemente mit flächenbündig eingebauten Blockzargen ausgeführt und von Wänden und Decken durch Schattenfugen getrennt. oDie Individualräume sind in weitgehend geschlossenen Körpern untergebracht, die Rückzugsmöglichkeiten bieten. Zwischen diesen Körpern entwickelt sich ein offener, fließen- der Raum, der sich durch die raumhohen Glaswände über die Dachterrassen bis zu den Glasbrüstungen an der Gebäudeaußenkante fortsetzt. Durch die Verschiebung der Körper zueinander und das Zurückspringen der Fassade entstehen repräsentative und private Terrassen und Dachgärten unter- schiedlicher Größe und Himmelsausrichtung.“ (Text nach 03 Architekten)

 

Stadtquartier Welfenstraße (2008-2012)

Von den vier Architektenbüros 03 Architekten, Stefan Forster, Hild und K sowie von Peter Ebner and friends mit ihren jeweiligen Architekturstil werden die Welfenhöfe in der oberen Au errichtet. In einem ersten Schritt wurde ein städtebauliches Gesamtkonzept erstellt.

Das Areal schließt ein Quartier ab, das auf dem Staffelbauplan des Stadtplaners Theodor Fischer von 1896 errichtet wurde. Die Bauaufgabe umfasst sowohl freifinanzierten als auch geförderten Wohnungsbau mit zwei Kindertagesstätten. „Unser städtebaulicher Ansatz setzt auf eine Großform, einen städtischen Block, in dem sich die einzelnen Bauteile zu einem Gebäude ergänzen. Wir sehen diesen Bautypus in der Tradition der Borstei und des Münchner Wohnungsbaus der 20er Jahre. Durch die plastische Bearbeitung des Blocks wird das Stadtquartier Obere-Au passgenau ergänzt: dem „malerischen Städtebau“ von Theodor Fischer mit seinen kurzen Straßen und vielen kleinen Plätzen wird ein Gebäude entgegengesetzt, das durch Aufweitungen und Verengungen den Straßenraum modelliert.

Nach Süden grenzt es an den Ostfriedhof, der ein unverbaubares grünes Gegenüber zur Dichte und Geschlossenheit des Baukörpers bildet. Im Inneren wird durch die Unterscheidung zwischen Erschließungshöfen und begrünten privaten Höfen eine hohe Wohnqualität sichergestellt. Die geschlossene Figur gewährleistet den notwendigen Schallschutz gegenüber den erheblichen Lärmemissionen, die von einer angrenzenden Bahntrasse und der Welfenstraße ausgehen. Die einzelnen Wohnungstypologien sind der Lage und Orientierung innerhalb des Blocks angepasst und auf verschiedene Zielgruppen ausgelegt.“

Der östlich gelegene TassiloHof sowie der Wohnbereich des westlich gelegenen RegerHofs wurde dabei von den 03 Architekten konzipiert. Der großzügige Innenhof des TassiliHofs durchbricht nach Osten hin die städtische Fassade mit ihren dreidimensionalen Ausprägungen zum Tassilopark hin. Er wird damit zum erweiterten Teil des Stadtquartiers.

„Wir haben uns von der prismatischen Formen der expressiven, kubistischen Fassaden der 20er Jahre inspirieren lassen, wie sie zum Beispiel auch an der Auerfeldstraße stehen...Das einzelne Haus soll, egal ob es ein Wohn- oder ein Geschäftsjhaus ist, wieder eine städtische Fassade mit klar definierten Eingängen bekommen und damit seinen Beitrag zum Straßenraum und somit zum Stadtbild liefern.“

(aus 03 Architekten, Erläuterung zu Welfenhöfen, sowie 03 Architekten in Pressemitteilung, Interview vom 22. Juni 2010, Bayerische Hausbau)

 

 

 

Weitere Informationen

 

...sind über den Internetauftritt von 03 Architekten erhältlich.